Noah – Mein erster tapferer Knirps

Seit Ende August bin ich als Fotografin Mitglied im Verein „tapfere Knirpse“. Dort haben sich viele engagierte Fotografen zusammen gefunden und übernehmen ehrenamtlich Shootings für Familien, die das Schicksal oft hart getroffen hat. Familien mit Kindern, die keinen leichten Start ins Leben hatten. Sogar oft ums überleben kämpfen müssen. Ich habe keine Sekunde gezögert, und mich direkt angemeldet. Und jetzt hatte ich meinen ersten tapferen Knirps-Knirps vor der Kamera.

Als ich mich für mein erstes tapfere-Knirps-Shooting meldete, begann bei mir schon die Aufregung. Wusste ich doch überhaupt nicht, was mir bevorstehen würde, denn ich kannte mich mit den verschiedenen Krankheiten, die ein Mensch haben kann, kaum aus. Von der Diagnose Hypoplastisches Linksherzsyndrom kurz HLHS, las ich seit meinem Eintritt in den Verein zwar öfter, aber ich hatte ja keine Ahnung, was dies für Betroffene wirklich bedeuten kann.

Als ich die Mutter meines Knirpses am Telefon hatte, legte sich meine erste Aufregung ein wenig. Sie erklärte mir genau, was diese Krankheit macht. Beim hypoplastischen Linksherzsyndrom ist die linke Herzkammer nicht richtig ausgebildet. Bei Noah wurde zwei Tage nach seiner Geburt die Diagnose gestellt. Der kleine, der nach der Geburt ungewöhnlich blau war, wurde sofort per Hubschrauber ins Klinikum nach St. Augustin gebracht. Dort musste Noah mittlerweile schon drei schwere Herzoperationen über sich ergehen lassen. In einer vierten OP wurden dem kleinen Patienten die vorderen Milchzähne abgeschliffen, da diese durch die Medikamente stark angegriffen wurden. Doch seine Mutter Tanja berichtete mir auch, dass ihr Sohn, der im Oktober vier Jahre alt wird ein kleiner aufgeweckter frecher Junge ist. Ein Junge, der gern ein Feuerwehrmann wäre.

Feuerwehrmann? Ok, das war mein Stichwort. Da musste sich doch etwas regeln lassen. Kurzerhand rief ich bei der Feuerwehr in Solingen an, und entschuldigte mich zunächst tausendmal dafür, dass es bei mir nicht brennen würde. So nebenbei gesagt, es ist ein komisches Gefühl mal eben so die Feuerwehr anzurufen. Immerhin wählte ich nicht die Notrufnummer 😉 Der Kollege, den ich am Telefon hatte war gleich sehr angetan von meiner Idee, den kleinen Noah mit einem Shooting bei der Feuerwehr zu überraschen. Kurzerhand rief ich Noahs Mutter noch einmal an und erklärte ihr, dass wir den Shooting-Ort verlegen müssten und nannte ihr nur die Adresse. Denn wenn, dann wollte ich natürlich alle überraschen.

Als ich am vereinbarten Tag zur Feuerdienststelle in Solingen kam, stand Mama Tanja mit ihrem kleinen Sohn schon in der Auffahrt. Als ich Noah begrüßte war er noch ganz schön schüchtern. Und als dann plötzlich auch noch zwei Feuerwehrmänner, dazu kamen und sich die ganze Aufmerksamkeit auf Noah richtete war er sehr zurückhaltend. Auch ein Geschenk der Männer, ein echter Feuerwehrhelm und ein Teddy, konnten ihn noch nicht aus der Reserve locken. Das sollte sich aber im Laufe der nächsten Stunde ändern.

Da die Sonne so schön strahlte, wollten wir mit Noah erst einmal vor einem großen Feuerwehrauto auf dem Vorhof posieren. Gemeinsam mit einem schwitzenden Feuerwehrmann, der sich extra in seine Kluft geschmissen hat, gaben wir alles. Noah durfte sich ins Auto setzen, einen Schlauch ausrollen, das Funkgerät anschauen oder den  Tatütata-Knopf erkunden. Doch der Kleine war so beeindruckt, das er das Lächeln vergessen hatte. Und Mama Tanja sollte möglichst auch immer in seiner Nähe sein. Kniffelige Aufgabe für die Fotografin.

Deshalb entschieden wir uns, erst einmal eine Führung durch die Feuerwehrstation zu machen. Man zeigte uns zum Beispiel die Wäscherei. Doch wofür braucht eine Feuerwehr denn bitte eine Wäscherei? Ganz klar, um die Schläuche nach dem Einsatz zu waschen und zu trocknen. Das fand Noah so interessant, dass er sich neugierig alleine auf den Weg durch die langen Gänge machte und die aufgerollten Schläuche genau unter die Lupe nahm. Ich verfolgte ihn auf seiner Erkundungstour und konnte so die ersten schönen Bilder machen.  Im Anschluss ging es zum Drehleiter-Feuerwehrauto, dass gerade von einem Einsatz zurück kam und da war der Bann endgültig gebrochen. Noah stiefelte um das Auto herum, schaute sich genau an, welche Luken am Auto sind, wie man die öffnen kann und was sich dahinter befand. Endlich konnte ich Fotos machen, die auch nach Feuerwehr aussahen – und das sogar noch mit einem über-beide-ohrenstrahlendem-Kind.

Kind glücklich, Mutter glücklich, Feuerwehrmänner glücklich, Fotografin glücklich – So einfach kann das sein.

Im Anschluss an das Feuerwehr-Shooting haben wir noch die beiden größeren Schwestern Michelle und Leonie aus der Schule abgeholt und in einem schönen Park mitten in der Stadt ein paar zauberhafte Familienbilder geschossen.

Für mich als Fotografin, war es ein rundum gelungener Tag und für Noah hoffentlich ein unvergesslicher…

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